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Seniorenzentrum Stutensee bei "innovatio 2009" ausgezeichnet

Das Schulprojekt „Die Gemeinschaft zusammenhalten“ am Seniorenzentrum Stutensee ist im Rahmen des Sozialpreises "innovatio 2009" ausgezeichnet worden. Die Projektbeschreibung:

Zum Thema

Mit der Teilnahme an dem Wettbewerb um den Sozialpreis "innovatio 2009" wollen wir im Horizont der Überalterung in der Bundesrepublik Deutschland und unter den Schlagschatten von Erfurt (2002), Emsdetten (2006) und Winnenden (2009) nichts Geringeres als
Gemeinschaftsbildung im Verständnis einer essentiellen Sinnbestimmung des Menschen an unserem Ort zu neuem Leben erwecken.

In Erinnerung rufen wollen wir mit unserem Projekt, dass jedermann als sozialpolitische Existenz Mitverantwortung trägt für die Institutionen Pflegeheim und Schule.

Schließlich wollen wir im Angesicht eines wachsenden kulturgesellschaftlichen Hungerbauches die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema der in Vergessenheit geratenen Gemeinschaftskultur in Pflegeheim und Schule lenken.

Unser Beitrag zur Beförderung der Gemeinschaftskultur und zum Einüben von Verantwortung im Für - und Miteinander besteht darin, dass wir im Wege des Gebens und Nehmens Pflegepartnerschaft und Schulsozialpädagogik praktizieren.

Die Ausgangssituation

altDas gemeinwesenorientierte Konzept des Seniorenzentrums Stutensee intendiert, dass die Gemeindemitglieder ihren alten pflegebedürftigen Angehörigen ins Pflegeheim folgen, um ihnen dort in Kooperation mit den Hauptamtlichen einen guten Ort der letzten Gemeinschaft zu schaffen und zu erhalten. Dies gelang in der Vergangenheit eher unzulänglich. 

An baden-württembergischen Realschulen steht in der siebten Klasse das Thema "Soziales Engagement" auf dem Unterrichtsplan. Die Schülerinnen und Schüler sollen im Rahmen eines Schulprojektes  praktische Erfahrungen in einem gemeinnützigen Engagement sammeln. Bis zu dem Projektbeginn geschah dies in einem Wochenpraktikum. Die Folge war eine Mehrbelastung der Mitarbeitenden im Pflegeheim; für die Schülerinnen und Schüler brachte der Kurzeinsatz nur eine geringe Lern - und Erfahrungstiefe. Im Ergebnis stellte sich Unzufriedenheit auf beiden Seiten ein. 

Eine erfolgreiche Durchführung der Schulpraktika ist darauf angewiesen, dass erwachsene bürgerschaftlich Engagierte die Schülerinnen und Schüler in das Pflegeheim begleiten und sie am Lernort in ihren sozialen Aufgabenstellungen anleiten. Begleitung und Anleitung wünschen wir uns auch von Familienangehörigen der Schülerinnen und Schüler. Bürgerschaftlich Engagierte sind noch nicht in wünschenswerter Zahl vorhanden und müssen für die nachhaltige Zukunft der Schulpartnerschaft gewonnen werden.


Die Ziele


Im Primat der Praxis verfolgen wir im Projekt der Schulpartnerschaft Theorie - und konzeptgeleitet vor allem diese Ziele:

  1. Anstreben einer Charakter - und Persönlichkeitsbildung der Schülerinnen und Schüler, indem wir  "….machen, dass der Zögling sich selbst finde, als wählend das Gute, als verwerfend das Böse: dies oder nichts ist Charakterbildung!"
    (Johann F. Herbart, 1802).
  2. Förderung der Gemeinschaftsbildung durch reale Begegnung von Jung und Alt
    "Das Ich wird am Du" (Martin Buber)
  3. Ein "Gemeinschaftsgefühl" (Alfred Adler) erfahrbar machen; spürbar werden lassen, dass Gemeinschaft menschliches Wohlbefinden erhöht und maßgeblich zu unser aller Lebensqualität beiträgt.
  4. Gemäß des "Sokratischen Eides" (Hartmut v. Hentig) Schülerinnen und Schüler in die Gemeinschaftsaufgaben hineinführen, und sie die "nützliche Erfahrung, nützlich zu sein" erleben zu lassen.
  5. Schülerinnen und Schüler mit dem "Aufgabencharakter des Lebens" (Viktor E. Frankl) vertraut machen und ihr Bewusstsein für ihre (Mit)Verantwortung am Erhalt der auch sie tragenden Gemeinschaft zu schärfen.
  6. An unserem Platz und in unserer Verantwortung wollen wir in dieser Zeit der Wertblindheit, "einer Generation, die, ohne es zu wissen, in einer Abenddämmerung der Werte aufwächst" (Alexander Pfänder) Sinnsichtigkeit schulen und Wertaugen öffnen  - und sei es nur für ein erstes Blinzeln.


In der Pflegeheim-Schule-Partnerschaft wissen wir bei all unserer Zielstrebigkeit, dass am ehesten dort, "wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind…." (Mt 18,20), mehr als die Summe der Teile zur Entfaltung kommt, nämlich sozialer Mehrwert in Gestalt körperlich - seelisch gesteigerten Wohlbefindens und eine spirituell reichere Lebensqualität durch Begegnung und Gemeinschaft  - nicht nur als Sonntags -, sondern auch als Alltagserfahrung!


Das Projekt


Das Projekt startete im September 2008 mit einer inhaltlichen Vorstellung des Vorhabens im Rahmen eines Elternabends in der Erich  Kästner  Realschule Stutensee.

Die Schülerinnen und Schüler der siebten Klasse, die sich für eine Mitarbeit im Seniorenzentrum Stutensee entschieden, lernten in einer Hausbegehung die räumlichen Gegebenheiten kennen und traten erstmals in persönlichem Kontakt mit den Pflegekräften.

Während die Lehrkräfte mit ihren Schülerinnen und Schüler in der Schule die neuen Aufgaben einübten, z.B. durch Rollenspiele, Sensibilitätstraining und gegenseitiges Essen reichen, bereiteten Mitglieder des ehrenamtlichen Freundeskreises (aus der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde) mit Pflegekräften die Inhalte der Schüleraufgaben vor.

Hierzu zählten u.a. die Unterrichtung in der richtigen Handhabung eines Rollstuhls, das passive Verweilen im Bett und im Rollstuhl sowie Vertrauens - und Führungsübungen mit verbundenen Augen.

Eine Theorie - Praxis - Vertiefung führte im Laufe des Projekts Lehrer, Pflegekräfte und bürgerschaftlich Engagierte in einer Tandem - Fortbildung zusammen, die von der baden - württembergischen Landesinitiative bela III veranstaltet wurde. Das Kürzel bela steht für Bürgerengagement für Lebensqualität im Alter in Pflegeheimen. Die Landesinitiative unterstützt die Gründung von Partnerschaften zwischen  bürgerschaftlich Engagierten und hauptamtlichen Kräften in der Altenpflege.

Begleitet und angeleitet von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen durchliefen die Schülerinnen und Schüler  - in Kleingruppen aufgeteilt - in einem Zeitraum von sieben Monaten drei Mal folgende Stationen:

Montags, 16:00 - 18:00 Uhr: Vorlesen, Singen, Spielen, Spazierengehen

Mittwochs, 18:00 - 20:00 Uhr: Teilnahme und Mitwirkung am sozialen Betreuungsangebot "Zur Abendstunde"

Donnerstags, 15:00 - 17:00 Uhr: Begleitung zur und Mitwirkung an der Ökumenischen Andacht

Samstags, 11:00 - 13:00 Uhr: Essen reichen einschließlich Mithilfe beim Auf- und Abdecken

Besuch des Weihnachtsmarktes

Eine Schülergruppe führte strukturierte Interviews durch, in denen sie Seniorinnen und Senioren nach Ereignissen aus ihrem vergangenen und gegenwärtigen Leben befragten.

Höhepunkte für Alt und Jung waren gemeinsame Besuche des örtlichen Heimatmuseums und des Weihnachtsmarktes im Stadtteil Blankenloch - beides nur möglich im Zusammenwirken von zahlreichen Schülerhänden, angeleitet von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen.

Der Oberbürgermeister der Stadt Stutensee, Klaus Demal würdigte im Seniorenzentrum die Schülerinnen und Schüler mit Dank und Anerkennung für ihre Leistungen als Junior-Pflegepartner und überreichte ihnen jeweils eine Urkunde und ein Erinnerungsfoto.

Mit den Siebtklässlern des Schuljahres 2009/2010 (und den ihnen folgenden) werden wir nachhaltig unser Gemeinschaftsvorhaben Pflegepartnerschaft und Schulsozialpädagogik fortsetzen und weiter daran arbeiten, das unser Partnerschaftsmotto "um ein Kind zu erziehen braucht es die ganze Gemeinde - um einen alten Menschen bis an das Ende seiner Tage zu begleiten ebenso" nicht in Vergessenheit in gerät.


Die Innovation


Ehrenamtliches Handeln und bürgerschaftliches Engagement laufen nicht selten Gefahr, an Hauptamtlichen vorbei an die Empfänger der ehrenamtlichen Bemühung  zu adressieren. Dies führt tendenziell zu ungewollten Belastungen, Konkurrenz und Missverständnissen. Unser Projektansatz ist insofern ein Novum: Wir verfolgen dezidiert das Ziel einer Zusammenarbeit von hauptamtlichen Pflege - und Lehrkräften mit bürgerschaftlichen Engagierten unter Einbezug der Familienmitglieder der Schülerinnen und Schüler. Dabei ist die Zusammenarbeit das Ziel. Der Erfolg  er - folgt als (Neben)Wirkung dergestalt, dass ich eine Steigerung des Wohlbefindens aller in der Umsetzung der Gemeinschaftaufgabe einstellt und auf der Basis dieser Wertorientierung und Sinnausrichtung die Bereicherung der Lebensqualität für alle aufscheint. Verkürzt lautet unsere Innovation: Partnerschaftlich - kooperatives Miteinander anstelle unverbundenem Nebeneinander!

Weitere, in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzende Neuerungen sind die Tandem - Fortbildungen und insbesondere die Ablösung des Kurzpraktikums durch einen vor - und nachbereiteten, über viele Monate gezogenen Einsatz als Junior - Pflegepartner im Pflegeheim.

Für die Schulpartnerschaft: Hans - Friedrich Unglaube, Heimleiter
Evang. Verein für Stadtmission in Karlsruhe e.V.


Urkunde

 

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